Berliner Woche 14.11.2007Alles auf AnfangDie Bezirksverordnetenversammlung (BVV) hat das Bezirksamt Die neuen Planungen sollen in Abstimmung mit der Betroffenenvertretung des Sanierungsgebietes Teutoburger Platz und mit der Bürgerinitiative Oderberger Straße vorgenommen werden. „Mit dem neuen Planwerk soll eine Erhaltung und eine den Örtlichkeiten angemessene Weiterentwicklung der einmaligen Gestaltung des Straßenraumes der Oderberger Straße erfolgen“, heißt es weiter in dem BVV-Beschluss. Gleichzeitig soll mit der Planung sichergestellt werden, dass mindestens 90 Prozent der bereits vorhandenen Bäume und Sträucher erhalten bleiben. Mit diesem Beschluss sind alle bisherigen Straßenplanungen, die das Bezirksamt in Auftrag gab, Makulatur. Zugleich ist es ein bislang einmaliger Vorgang, dass die BVV sich derart vehement in eine Straßenplanung im Bezirk einmischt. Wie kam es dazu? Im August dieses Jahres wurde Anwohnern und Gewerbetreibenden der Oderberger Straße von der Betroffenenvertretung des Sanierungsgebietes Teutoburger Platz erstmals mitgeteilt, dass ihre Straße 2009 grundhaft erneuert wird. Als dann für den September zu einer Bürgerversammlung eingeladen wurde, waren alle auf die Planungen gespannt. Die Mittel für den Straßenneubau, etwa 2,5 Millionen Euro, kommen aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ des Bundes. Dieses hat eigentlich das Ziel, die städtebaulichen Eigenarten eines Gebiets in historischen Stadtkernen zu bewahren. So hofften auch viele Anwohner, dass die Eigenarten der Oderberger Straße bei den Planungen Grüne Besonderheiten Was etwa 150 Anwohner und Gewerbetreibenden dann im September auf der Bürgerversammlung präsentiert wurde, schockierte die meisten. Zwar wurden historische Gehwegund Fahrbahndetails berücksichtigt, aber die Pflanzenkübel, Sträucher und anderen „grünen Besonderheiten“, die eigentlich das Flair dieser Straße ausmachen, sollten verschwinden. Nur die Baumreihen sollte noch stehen bleiben. Damit wäre ein Stück Kiezgeschichte ausradiert worden. Seit Mitte der 80er Jahre regte sich bei den Anwohnern der Oderberger Straße Widerstand gegen herrschende Strukturen. In einer Bürgerinitiative wurde zum Beispiel die grüne Hinterhof- Oase „Hirschhof“ geschaffen, und auf den Gehwegen der Oderberger Straße entstanden Biotope mit Pflanzenkübeln, Kletterpflanzen und Sträuchern. Dieses „Biotop Oderberger Straße“ entwickelte sich inzwischen zu einem Touristenmagneten, und die Anwohner selbst lieben und pflegen ihr Grün. Nach Vorstellung der Straßenplanungen war den Anwohnern klar, dass vom bisherigen Grün und vom Charakter der Straße kaum noch etwas übrig bleiben wird. Darum macht seit September die Bürgerinitiative Oderberger Straße (BIOS) gegen die Planungen mobil. Straße zurückerobert Kürzlich hatte sie Gelegenheit, ihren Protest gegen die bisherigen Planungen im Ausschuss für öffentliche Ordnung der BVV vorzutragen. Der Vorsitzende des Ausschusses, Wolfram Kempe (Die Linke), resümiert: „Die Oderberger ist ein Beispiel dafür, wie nach der Wende die Straße von Bürgern zurückerobert wurde. Von dem, was sich dort heute an Grün befindet, ist seinerzeit das meiste sogar vom Bezirksamt genehmigt worden. Wir müssen nun überlegen, wie wir mit dem Vorhandenen umgehen. Ich halte auch das Grün in der Straße für ein ganz besonderes Denkmal, nämlich für das Bürgerengagement. Darum sollte so viel wie möglich davon erhalten bleiben.“ Die Fraktionen von SPD und Linkspartei formulierten einen Antrag, in dem neue Planungen gefordert werden. Nach dem BVV- Beschluss kann man nun gespannt sein, wie viel vom Flair der Oderberger Straße erhalten bleibt. Die Mitstreiter der BIOS machten schon klar, dass sie die vorgesehenen Workshops mit den Planern keinesfalls als Alibiveranstaltung verstehen, sondern dass sie um jeden Baum und jeden Strauch kämpfen werden. |
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