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Bürgerinitiative Oderberger Straße

Berliner Morgenpost 17.07.2008

Oderberger Straße – Endlich Einigkeit im Streit um Gestaltung der Szenemeile

Tiefbauamt und Bürgerinitiative konnten sich nach mehr als einem halben Jahr Diskussionen über die Oderberger Straße einigen. 2,5 Millionen Euro stehen für mehr Grün und fahrradfahrerfreundlichere Bedingungen zur Verfügung. Doch nun schaltet sich das Denkmalschutzamt ein und meldet Bedenken an.

Von Sabine Flatau

Viel Grün, mobile Blumenkübel, deren Pflege Anwohner übernehmen, und viele Fahrradstellplätze für die Oderberger Straße: Das sieht der Kompromiss zwischen dem Tiefbauamt und der Bürgerinitiative vor. Nach Diskussionen, die sich über ein halbes Jahr erstreckten, sind sich Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne), sein Team und die Anwohner einig darüber geworden, wie die Pläne zum Umbau der berühmten Szenemeile in Prenzlauer Berg aussehen sollen.

"Der Kompromiss ist besser als das ursprüngliche Konzept", gibt Kirchner unumwunden zu. Es war im Herbst 2007 vom Bezirksamt und der Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung S.T.E.R.N. den Anwohnern präsentiert worden.

Denkmalschutzbehörde kritisiert Pläne

Doch nun fällt ein Wermutstropfen in die mühsam errungene Einigkeit. Das Denkmalschutzamt des Bezirks hat Anfang Juli Bedenken angemeldet. "Obwohl die Behörde im Februar auf einem Workshop zur Oderberger Straße öffentlich erklärt hat, dass sie nicht mehr mit im Spiel ist", sagen Stadtrat Kirchner und Initiative übereinstimmend.

Stadtentwicklungsstadtrat Michail Nelken (Linke), dem die untere Denkmalschutzbehörde untersteht, hält dagegen. "Das ist ein Irrtum", sagt er. Seine Mitarbeiter hätten aus zwei Gründen einbezogen werden müssen. Zum einen, weil das Straßenensemble der Oderberger Straße im Bereich der Kreuzung mit der Kastanienallee unter Denkmalschutz stehe, ebenso die alte Feuerwache. Zum anderen, weil die Behörde auch gefragt werden müsse, wenn in der Umgebung eines Denkmals bauliche Änderungen geplant werden. "Die untere Denkmalschutzbehörde hätte beteiligt werden müssen."

Die Kritik der Denkmalschützer bezieht sich nach Auskunft der Initiative zum Beispiel auf den Bordstein nahe der Feuerwache, den die Bürgerinitiative zugunsten neuer Blumenkübel und Fahrradständer versetzt haben wollte. Sie bezieht sich auf die Fläche vor dem Stadtbad, die sich die Initiative als Stadtplatz wünscht, und auf Bäume nahe der Kreuzung zur Kastanienallee.

Die Bürgerinitiative sollte sich zu den Kritikpunkten äußern. Doch ihre Vertreter sagen, dass sie in so kurzer Zeit kein abgestimmtes Votum organisieren können. Wegen dieser Bedenken hat die Bezirksverordneten-Versammlung noch keine Entscheidung zur Oderberger Straße getroffen. Eigentlich wollte sie in der vergangenen Woche den Beschluss fassen. Nun ist das Thema bis zur September-Sitzung verschoben. Stadtrat Kirchner hat unterdessen ein klärendes Gespräch mit den Denkmalschützern des Bezirks geführt. Man habe sich geeinigt, sagt sein Kollege Nelken. Im August will Kirchner die Planungsunterlagen bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung einreichen. Die Kritik der unteren Denkmalschutzbehörde erscheint in einem Begleitschreiben. Strittige Fragen sollen geklärt werden, wenn die Details zu den Straßenplänen ausgearbeitet werden.

Weniger Stellplätze für Autos – mehr Grün

Für den Straßenumbau stehen rund 2,5 Millionen Euro aus dem Programm städtebaulicher Denkmalschutz zur Verfügung. Die Vorzugsvariante von Tiefbauamt und Bürgerinitiative sieht vor, dass sich die Zahl der Stellplätze für Autos von 277 auf 224 verringert und die für Fahrräder von 49 auf 88 steigt. Alle alten Bäume bleiben stehen, acht neue Bäume werden gepflanzt. Von den Hochbeeten, die Anwohner angelegt haben, bleiben fünf erhalten. Mobile Blumenkübel werden angelegt. Damit Fußgänger die Straße besser überqueren können, wird an zehn Stellen der Gehweg in Richtung Fahrbahn ausgedehnt. Vier Stadtplätze sind geplant. Die Bürgersteige werden in der alten Gestalt hergerichtet: Das "Bernburger Mosaik" und Charlottenburger Gehwegplatten werden herausgenommen und neu gesetzt.

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